Bildungs- und Wissenschaftsgeschichte, Das lange 19. Jahrhundert

Dr. Uta Lohmann in Kooperation mit Dr. Kathrin Wittler

Das Forschungsprojekt konzentrierte sich auf das Werk des jüdischen Aufklärers Joel Löwe (יואל ברי"ל Joel Bri’l, 1761–1802) in Breslau (heute Wrocław in Polen). Im Jahr 1790 wurde Löwe zum Schulleiter und Mitglied des Direktoriums der dort neu gegründeten jüdischen Wilhelmsschule ernannt. Von da an übte er einen entscheidenden Einfluss auf den lokalen Aufklärungsdiskurs aus. 

Löwes Wirken wurde durch die historisch-kritische Edition der zwischen 1791 und 1800 veröffentlichten Programmschriften der Wilhelmsschule sowie weiterer Texte aus seiner Zeit in Breslau rekonstruiert. Mit der Herausgabe dieser Schriften wurde erstmals ein wichtiger Teil des Werks einer zentralen Figur der jüdischen Aufklärung (Haskala) zugänglich gemacht. Darüber hinaus eröffnete das Projekt neue Einblicke in den Kontext der Anfänge einer Schule, die für die deutsch-jüdische Bildungsgeschichte in ideeller, sprachlicher, kultureller, wissenshistorischer und sozialgeschichtlicher Hinsicht von Bedeutung war. Die Schulprogrammschriften dienten als Einladungen zu den jährlich stattfindenden öffentlichen Prüfungen der Wilhelmsschule. Sie enthalten nicht nur interne Schulberichte, sondern auch wissenschaftliche Abhandlungen von Löwes Hand, die seine vielfältigen und weitreichenden Interessen als Pädagoge, Sprachwissenschaftler, Bibelexeget und Historiker verdeutlichen. 

 

Joel Bril Löwe: Die Breslauer Schulschriften im Kontext (1791–1801): Abschlussbericht des DFG-Forschungsprojekts 421572806 – DOI: 10.21248/gups.96679

 

 

 

 

 

Bilder:
1. Bild: Joel Löwe: Etwas über Chronologie zur Jüdischen Geschichte. Breslau 1794. Titelblatt der Schulprogrammschrift. Universitätsbibliothek Wrocław, Signatur: 302 770. urn:nbn:de:hebis:30:1-158669
2. Bild: Joel Löwe: Assaph über ächte und unächte Religiosität. Breslau 1796. Titelblatt der Schulprogrammschrift. Universitätsbibliothek Wrocław, Signatur: 302 772. urn:nbn:de:hebis:30:1-158684

 

 

 

 

Medaille unten:
Kupferstich der Medaille, die bei der Einweihung der Wilhelmsschule verteilt wurde. In: Nachricht, von dem, unter dem Namen Wilhelms-Schule, zu Breslau errichteten Institut, zu einer verbesserten Unterweisung der Kinder dasiger Juden-Gemeinde, und der am 15ten März 1791 erfolgten feyerlichen Einweihung desselben. Hamburger Lehrerbibliothek, Signatur: Pd 57:35. 
katalogplus.sub.uni-hamburg.de/vufind/Record/1768125244

Projektverantwortliche:
Dr. Uta Lohmann (Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg),
Dr. Kathrin Wittler (Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Freie Universität Berlin)  

Dr. Rainer Wenzel, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Berlin



Ansprechpartnerin:
Dr. Uta Lohmann
uta.lohmann[at]igdj-hh.de