Carlebach Fellowship 2026
George Y. Kohler ist Professor für Jüdische Religionsphilosophie an der Bar Ilan Universität in Ramat Gan, Israel und leitet das Joseph Carlebach Institut zur Erforschung des theologischen Denkens im deutschen Judentum. Er hat an der Ben Gurion Universität in Beer Sheva mit einer Arbeit zur Maimonides-Rezeption in der Neuzeit promoviert und hat seitdem Arbeiten zum jüdischen Messianismus in der Neuzeit, zum Beginn der Kabbala-Forschung in der Wissenshaft des Judentums, vor allem aber zur Religionsphilosophie Hermann Cohens veröffentlicht. Er war als Gastdozent an der Uni Frankfurt, der Uni Augsburg und der Lateran-Universität in Rom tätig.
Seine Forschung konzentriert sich auf die Reformtheologie des Judentums im Deutschland des 19. Jahrhunderts und deren Einbindung in die gesamtjüdische Geistesgeschichte. Zusammen mit Daniel Weiss veröffentlichte er zuletzt das Buch “Judaism and Modern Western Philosophy: Collected Writings of Steven S. Schwarzschild” 2024 in der Reihe Amsterdam Studies in Jewish Philosophy (ASJT, volume 19) des Springer Verlags.
Am IGdJ werde ich zur Rezeption der Lehren des heiligen Paulus in der Wissenschaft des Judentums forschen. Das Projekt deckt das gesamte deutsch-jüdische Denken über Paulus zwischen 1840 und 1918 ab und berücksichtigt dabei die Ideen rabbinischer Theologen (Samuel Hirsch), der ersten jüdischen Historiker (Graetz, Geiger) und reiner Philosophen, die über Paulus schrieben, bis hin zu Hermann Cohens verschiedenen Darstellungen paulinischer „Irrtümer“ aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Insbesondere das 19. Jahrhundert mit der drastischen Abgrenzung vom Christentum bietet Denkansätze zur jüdischen Identität, die über Biologie und Nationalismus hinausgehen. In meiner Forschung konzentiere ich mich auf die Vorstellungen der Wissenschaftsforscher, wie man die moderne jüdische Theologie beschreiben kann, indem man das ablehnt, was sie als Paulus’ wesentliche Abweichungen vom Judentum empfanden.