Impuls von Dr. Anna Menny zur digitalen Arbeit des IGdJ
Anna Menny, die für das IGdJ an der Konferenz teilnahm, versuchte diese Diskussionen vor dem Hintergrund der langjährigen Erfahrungen im Bereich der #DigitalJewishHistory am IGdJ durch weitere Perspektiven aus der eigenen Forschungsarbeit zu ergänzen. In ihrem Impuls im Rahmen des eröffnenden Panelgespräches „Bewahren, Erschließen, Überliefern – KI in (digitalen) Archiven“ gab sie einen Überblick über den Einsatz digitaler Methoden am IGdJ und betonte dabei, dass die Diskussion um die Auswirkungen der Digitalisierung im Fach Geschichte aber auch im Bereich der jüdischen Geschichte bereits eine (lang zurückreichende) Vorgeschichte habe. In der gegenwärtigen Debatte um KI finde diese mitunter zu wenig Beachtung, womit aus dem Blick gerate, dass es bereits Erfahrungen und Expertise im Hinblick auf digitale Quellen- und Methodenkritik gäbe. Weiter verwies sie sowohl auf die Potenziale als auch Herausforderungen, die mit der Digitalisierung von Quellenmaterial und dem zunehmenden Einfluss von computergestützten Methoden und datenbasierten Forschungsansätzen einhergehen. Gerade das aktuelle vom Incubator Fund (NFDI4Memory) geförderte und in Kooperation mit der Professur für Digital Humanities an der Universität Erfurt und Fachhochschule Erfurt durchgeführte Projekt „Sentimentanalyse zwischen Erkenntnisgewinn und Verfälschung? Eine Fallstudie zu Selbstzeugnissen zum Holocaust und seiner Nachgeschichte“ zeige die Relevanz einer genauen Reflektion über die getroffenen Vorannahmen und Entscheidungen auf, die das Ergebnis der Auswertung beeinflussen. Um Leerstellen und Verzerrungen sichtbar zu machen und Ergebnisse KI-gestützter Verfahren einordnen zu können, müsse eine größtmögliche Transparenz hinsichtlich der Entscheidungsprozesse, der Datengrundlage und der methodisch wie technischen Voraussetzungen hergestellt werden. Dann könne KI über die konkrete Erleichterung bestimmter Arbeitsschritte hinaus einen Handlungs- und Reflektionsraum zur kritischen Auseinandersetzung mit der Produktion von historischem Wissen und Geschichtsbildern eröffnen. Inwieweit KI dabei selbst zu einem Generator für neue Perspektiven und Ansätze wird oder vielmehr bereits etablierte Methoden, Narrative und Perspektiven unter neuen technischen Voraussetzungen reproduziert und fortschreibt, ist – neben den vielen interessanten Projektvorstellungen und inhaltlichen Anregungen der Konferenz – ein wichtiger Impuls zum weiteren Nachdenken in der eignen Arbeit am IGdJ.
Foto: Nina Zellerhoff
Ausschnitt aus dem Graphic Recording, © Mathis Eckelmann
Konferenzprogramm, Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz: