30.10.2026

IGdJ-Beteiligung an internationaler Konferenz im Leo Baeck Institute 

Ausgerichtet vom Leo Baeck Institute in New York | Berlin fand vom 25. bis zum 27. Oktober 2026 im Center for Jewish History in New York die Tagung „Between Revolution and Reaction: German-Speaking Jews and the Ideas, Politics, and Cultures of the Right“ statt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa, Israel und den USA diskutierten das Verhältnis deutschsprachiger Jüdinnen und Juden zu konservativen, nationalistischen und reaktionären Strömungen vom 19. Jahrhundert bis zur jüngsten Vergangenheit. Während gängige Erzählungen das deutschsprachige Judentum überwiegend dem liberalen und linken Lager zuordnen, präsentierten die Vorträge ein breites Spektrum politischen Agierens zwischen Ablehnung, Übernahme ideologischer Inhalte und performative Annäherung an rechte Gruppierungen. Inhaltlich schlug die Konferenz den Bogen von jüdischen Gegnern der liberalen Revolution von 1848 über die Agudath Israel und die Geschichte des jüdischen Jugendverbands „Schwarzes Fähnlein“ bis zu jenen deutsch-jüdischen Emigranten, die in Chile die Diktatur Pinochets unterstützten.

IGdJ-Mitarbeiter Dr. Christian Dietrich sprach im Panel „Navigating the Republics“ über das Verhältnis des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zur Sozialdemokratie. Am Beispiel der Debatten über die Einwanderung osteuropäischer Jüdinnen und Juden während der frühen 1920er Jahren zeigte er, wie sich die im Kaiserreich sozialisierte Führung des Centralvereins und die in Preußen regierenden Mehrheitssozialdemokraten in Fragen von Ordnung und Sicherheit annäherten und der Centralverein sich von seinem vormals antisozialdemokratischen Kurs verabschiedete, nationalistische Ordnungsvorstellungen aber beibehielt.